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Gangsterfilme werden vom Publikum sehr gemocht, von der Rentnerin bis zum tätowierten Halbstarken. Für Booster gilt das besonders, da es sowohl Gangsterhumor als auch toughe Männerkörper zu besichtigen gibt und als Plus einen sensiblen Protagonisten, mit dem man das Kribbeln des kriminellen Lebens, für das man eigentlich nicht geschaffen ist, gut mitfühlen kann. Matt Ruskin hat den Low-Budget-Film mit seinen besten Kumpeln aus Boston realisiert – im Vordergrund stand die Zusammenarbeit und die Verarbeitung der Bostoner Erfahrungen, nicht eine bestimmte Story oder die Interessen einer Produktionsfirma. So sind es vor allem die Typen und die lebensnahen Dialoge, die den Film reizvoll machen. Der Soundtrack nervt leider durch die immergleichen bedrohlichen Klänge, bei denen dann doch nichts so richtig passiert – schließlich ist das hier kein Kitano, sondern ein einfühlsames Porträt eines Mannes, der in seinem Schicksal als Kleinkrimineller gefangen ist. Die meisten Zuschauer sind wohl gekommen, um einen DER Helden des Oldenburger spirits zu sehen: Seymour Cassel, als rührender Altgangster im Krankenhaus.

 

Den Gangsterfilm kann als Publikumsrenner wohl nur die Musik-Doku toppen. The Punk Syndrome von Jukka Kärkkäinen und Jani-Petteri Passi ist dabei eine sehr spezialisierte: Es geht um eine Punk-Band aus Finnland, deren Bandmitglieder alle mit einer geistigen Behinderung durchs Leben gehen. Was man böse als Beschäftigungstherapie bezeichnen könnte (ach wie süß, die Behinderten ziehen sich Lederjacken an und denken, sie seien wild), stellt sich als klar formulierte, emotionale wie politische Rebellion heraus. Der Wechsel zwischen ungewollter Lustigkeit und einer Hellsichtigkeit der Bandmitglieder ihrer Situation gegenüber ist frappierend. In ihren Songs mag es manchmal einfach nur heißen „Kaffee ist gut, wenn man ihn trinkt“, doch kaum ein paar Verse weiter wird das betreute Wohnen kritisiert, in das fast alle hereingedrängt werden, die fehlende Selbstbestimmung und der Haß, den die Bevormundung hervorruft. Die Bandmitglieder haben alle ihre Geschichten der Diskriminierung zu erzählen, von Momenten, in denen sie nicht als vollständige Menschen behandelt wurden und es genau gemerkt haben. So ist die Band Pertti Kurika’s Name Day am Ende ein ganz normale politische Punkband, die von der politischen Elite umarmt wird. Allein etwas zu gewollte Zeit- und Ortswechsel, die für eine thematische Pointe genutzt werden, waren mein Haar in der Suppe.

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